Die jüdischen Mitglieder im Löschbezirk Innenstadt der Feuerwehr Saarlouis

Autor: Bertram Weiter

Im Rahmen der Forschungen zur Erstellung des Jubiläumsbuchs „Pompiers-Feuerlöscher-Feuerwehr“ zum 200-jährigen Bestehen der Feuerwehr Saarlouis-Innenstadt fanden sich Spuren von aktiven und inaktiven Mitgliedern jüdischen Glaubens im Löschbezirk. Es handelte sich zum einen um die ehemals aktiven Mitglieder Julius Lazard und Eugen Cahen und zum anderen um 25 inaktive Mitglieder, die auf einer Liste in der Festschrift von 1911 zu finden sind.
Zunächst einmal konnten aufgrund der Familiennamen nur Vermutungen über eine jüdische Glaubenszugehörigkeit angestellt werden. Durch die freundliche Hilfe des Familienforschers Hans Peter Klauck konnte dann Gewissheit erlangt werden. Auch Gewissheit über den Tod der inaktiven Mitglieder Leo Cahn, Isidor Juda, Simon Eschwege und Ludwig Wollheim, die der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer fielen: Cahn und Eschwege im Vernichtungslager Sobibor sowie Juda und Wollheim im Ghetto Theresienstadt.

 

Die inaktiven Mitglieder der Liste von 1911

Eine Mitgliederliste in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen von 1911, nennt die folgenden 25 inaktiven Mitglieder jüdischen Glaubens:

Bickart, David Bickart, Max Cahn, Heinrich
(Stadtverordneter)
Cahn, Leo Deutsch, Lion Eschwege, Simon
(Cantor und Lehrer)
Fränckel, Jacob Hanau, Albert
(Stadtverordneter)
Hanau, Felix
Hanau, Jacob Hanau, Raphael Israel, Ferdinand
Juda, Isidor Kirstein, Isidor Lazard-Haas
(Wwe.)
Lazard, Samuel Lazard, Silvain Lewy, Carl jun.
Levy, Louis Mayer-Hanau, Isaac Moses, Josef
Moses, Moritz Wertheim
(Schlachthofdirektor)
Wolff, David
Wollheim, Ludwig    

 

Im Löschbezirk stellte man sich die Frage, wie mit dem Andenken an die jüdischen Mitglieder, die unter der nationalsozialistischen Verfolgung gelitten hatten und besonders mit dem Gedenken an die vier Ermordeten, umgegangen werden sollte.

Man entschied sich für die Verlegung von "Stolpersteinen" des Künstlers Gunter Demnig vor der Einfahrt der Feuerwache Innenstadt in der Titzstraße (www.stolpersteine.eu). Die Verlegung, die Gunter Demnig persönlich vornahm, fand am 11.10.2015 im im Rahmen der Veranstaltung "Stolpersteine - gegen das Vergessen, gegen Rechtsextremismus" statt.

 

Es fanden sich nur relativ wenige Unterlagen zu den Verhältnissen in der Feuerwehr Saarlouis während der nationalsozialistischen Diktatur. Hier stellt sich im vorliegenden Zusammenhang die Frage, wie die Feuerwehrmitglieder in dieser Zeit zu ihren jüdischen Mitbürgern standen und ob auch ihnen weiterhin Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit entgegengebracht wurden. Ein Hinweis darauf findet sich in den Erinnerungen des Brandmeisters Mathias Krämer. Er schrieb im Mai 1961 über ein Ereignis des Jahres 1939:

„An einem Sonntag Vormittag wird in Saarwellingen Alarm gegeben. In der Lebacher Strasse war ein Dachstuhl-Brand ausgebrochen. Infolge unserer ständigen Alarmbereitschaft  war es nicht weiter verwunderlich, daß wir [die Mot.-Gruppe Saarlouis (Innenstadt), aufgrund der Kriegsereignisse in Saarwellingen stationiert] noch ehe die Alarmierung beendet war an der Brandstelle eintrafen und auch den Brand schnellstens unter Kontrolle bringen konnten und ihn schliesslich ablöschten. Von Seiten einiger Bürger wurde uns dieser prompte Einsatz sehr verübelt, da die Bewohner dieses Hauses Juden waren. Es wurde sogar von gewissen Seiten das Ansinnen gestellt, das ganze Anwesen abbrennen zu lassen, was jedoch von der Führung energisch abgelehnt wurde. Die bedauernswerten Bewohner machten einen verängstigten und verstörten Eindruck. Dies veranlaßte die Führung, hier besonders zu helfen und nach Beendigung der Löscharbeiten einen entsprechenden Brandschutz zurückzulassen.“

Die Mitglieder der "Mot. Gruppe Saarlouis" während ihrer Stationierung in Saarwellingen
(Foto: Archiv Löschbezirk Innenstadt)



Die aktiven Feuerwehrmitglieder jüdischen Glaubens

Neben den vorgenannten inaktiven Mitgliedern jüdischen Glaubens sind bisher zwei jüdische Saarlouiser Feuerwehrmänner bekannt, die im aktiven Dienst standen. Der Spritzenmeister Julius Lazard und der Schriftführer Eugen Cahen.

Spritzenmeister Julius Lazard
Schriftführer Eugen Cahen