Geschichte Lbz. Lisdorf

Erster beurkundeter Einsatz der "Lisdorfer Spritze"

Das Amtsblatt der Regierung zu Trier, Nr. 51 vom Sonnabend, dem 3. November 1821 meldet unter der Nummer 276 eine Feuersbrunst zu Hölzweiler (heutiges Hülzweiler, Gemeinde Schwalbach) die "... vermöge der kräftigen Hülfe, welche die schleunig herbeigekommene Spritze von Lisdorf und die zu Saarlouis stationierte Pionier-Compagnie unter Anführung ihrer Offiziere geleistet haben, von weniger trauriger Folgen gewesen..." ist. Dieser amtlich beglaubigte Einsatz der "Lisdorfer Spritze" beim Brand in Hölzweiler (am 5. Oktober 1821) darf als Beleg dafür angesehen werden, dass bereits im Jahr 1821, evtl. sogar früher, eine - wie auch immer organisierte - freiwillige Wehr in Lisdorf bestanden hat, in deren Händen die richtige Handhabung, der Transport und die Pflege der Spritze lag.

Medaille von 1821 als Abzeichen

Für das Jahr 1821 als Gründungsjahr einer Feuerlösch-Compagnie in Lisdorf spricht auch der Hinweis des Lisdorfer Bürgermeisters John auf eine Medaille in seinem Bericht an den königlich preußischen Landrat zu Saarlouis vom 18. Mai 1903. Die Medaille, auf der die Jahreszahl 1821 eingeprägt gewesen sein soll und "...welche ausweislich ihrer Aufschrift wohl als Abzeichen getragen wurde, wie heute Uniform oder Armbinde seitens der Feuerwehren getragen wird...", ist heute leider nicht mehr vorhanden.

Probleme und Missstände in den frühen Jahren der "Feuerlösch-Compagnie von Lisdorf"

Nach den Berichten des Lisdorfer Pfarrers (1832 - 1838) Johann Anton Josef Hansen aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, die im Jahre 1836 in der Trierer Zeitung "Treviris" abgedruckt wurden, waren die meisten Brände zur damaligen Zeit auf Brandstiftungen zurückzuführen. Als Erklärung hierfür führt Hansen das Feuerversicherungswesen an, das es den Leuten ermöglichte "...nach einer Feuersbrunst auf der Stätte einer elenden Hütte ein schönes Gebäude..." zu errichten. Zum Beweis gibt Hansen eine Übersicht über die Brände in seiner Pfarrgemeinde (Lisdorf und Ensdorf) in der Zeit von 1831 bis 1835. Während in mehreren Jahrzehnten zuvor nur vier Feuersbrünste in der Erinnerung der Einwohner geblieben waren, seien in dem Zeitraum von 1831 bis 1835 allein neun größere Brände, in Lisdorf (sechs) und Ensdorf (drei) ausgebrochen, bei denen insgesamt 41 Wohnhäuser, 30 Ställe und 13 Scheunen abbrannten bzw. beschädigt wurden für die rund 10.000 Reichstaler von den Feuerversicherungen als Entschädigung bezahlt wurden. Zumeist waren die mit Stroh gedeckten Hausdächer Ausgangspunkt der Brände. Da die Zahl der Brände auch in den anderen Orten des Landkreises Saarlouis seit dem Jahr 1825 erheblich angestiegen war, wurden auf Antrag von Landrat Jesse sämtliche mit Stroh gedeckten Häuser aus den Versicherungslisten gestrichen. Auslöser hierfür waren die beiden großen Brände vom 27. und 28. März 1835 in Lisdorf, bei denen Schäden in Höhe von rund 3.600 Reichstalern entstanden waren.

In seinen Berichten kritisiert Hansen auch die allgemeine Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung beim Ausbruch eines Brandes, die sich in der grundsätzlichen Einstellung: "Wer das Feuer angelegt hat, mag es auch löschen!" oder "Warum soll man löschen, es wird ja alles bezahlt!" artikulierte. Scheinbar war auch die freiwillige Feuerwehr damals nicht sehr um das schnelle Löschen eines Brandes bemüht, wie Hansens Bericht über einen Brand vom 2. März 1834 in Lisdorf unterstreicht: "...Die Spritze blieb ziemlich lange aus. Die Führer derselben waren besoffen, besonders aber der Ortsvorsteher und der Hauptmann der Lösch-Compagnie. Viel später als die Spritze kamen die Löscheimer an. Allein das Ganze wollte nicht gehen. Alles Ermahnen, alles Betreiben durch die Gendarmen half nichts. Nun kam auch die Lösch-Compagnie von Saarlouis an. Sie wurde von der von Lisdorf nicht gut empfangen. Die Ursache davon lag aber nicht an einer Unerkenntlichkeit, sondern an der Betrunkenheit.“

Erste Erfolge bei der Brandbekämpfung

Zum Gesamtbild der Lisdorfer Lösch-Compagnie in den 30iger Jahren des 19. Jahrhunderts gehört aber auch die Erwähnung der erfolgreichen Einsätze, die ihren Niederschlag in lobender Erwähnung in den "Amtsblättern der Regierung zu Trier" fanden. So war es bei einem Brand vom 24. Januar 1833 "...auch der Feuerlösch-Compagnie von Lisdorf zuzuschreiben, dass das Feuer in seinen Verheerungen nicht weiter um sich gegriffen hat..." Ebenfalls bei einem Brand in Lisdorf am 2. Juni 1833, bei dem "...Wohnungen, zum Teil mit den dazu gehörigen Stallgebäuden, ein Raub der Flammen wurden," war es der "...zweckmäßig und mit Anstrengung verwandten Tätigkeit der Feuerlösch-Gesellschaften von Lisdorf und Saarlouis besonders zuzuschreiben...", dass "...die die Brandstätte ganz nahe umgebenden, mit Stroh gedeckten Häuser davon verschont wurden:"

Der Brand von 1879 – Signal für den Neubeginn

Obwohl die "Lösch-Compagnie" von Lisdorf ab 1859 über eine neue Druckspritze verfügte, die leider im 2. Weltkrieg verloren ging, ließ die Effektivität der Wehr wohl zu wünschen übrig. Dies wurde besonders schmerzlich deutlich, als am Nachmittag des 10. Novembers zur Zeit der Martinikirmes 1879 ein Feuer ausbrach, "..., das erst bewältigt werden konnte, nachdem 4 Wohnhäuser abgebrannt und ein fünftes nicht unbedeutend beschädigt war...", wie das Saarlouiser Journal vom Dienstag, dem 11. November 1879 berichtet. Über die "Entstehungsart des Feuers" habe die Redaktion "nichts Sicheres erfahren können." Wie die Zeitung weiter berichtete sind bei diesem Brand "...sieben an sich unbemittelte Familien unter Verlust ihrer größtenteils unversicherten Habe obdachlos geworden."

Neugründung der "Freiwilligen Feuerwehr" 1879

Der Großbrand von 1879 wurde zum Zeichen eines Neubeginns, und unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Sarg wurde Ende November 1879 die bestehende "Lösch-Compagnie" reorganisiert und als "Freiwillige Feuerwehr" von Lisdorf neu gegründet. Erster Wehrführer wurde Bäckermeister Johann Simon. Zur Brandbekämpfung standen ihm und seinen Männern eine Druckspritze, eine Anstelleiter, Feuereimer und Einreißhaken zur Verfügung. Die freiwillige Feuerwehr war dem Geist der Zeit entsprechend, nach militärischen Rängen hierarchisch gegliedert: Auf den Feuerwehrhauptmann folgte sein Stellvertreter, der Premier-Leutnant, dann der Adjutant im Range eines Sekonde-Leutnants, der Feldwebel, der Spritzenmeister und die Feuerwehrmänner. Ausgerüstet waren die Männer mit Helm und grauem Feuerwehrrock mit Gürtel. Das Spritzenhaus befand sich im so genannten Hirtengässchen. Nachfolger von Wehrführer Simon wurde Nikolaus Kneip-Scholly: Ihm standen Unterführer Nikolaus Lonsdorfer-Becker, Heinrich Kleber und Peter Ecker von der Holzmühle zur Seite. Am 20. April 1887 wurde die erste Satzung der freiwilligen Feuerwehr behördlich von der Polizeiverwaltung Lisdorf unter Zustimmung des Landrats genehmigt und 1894 wurde die Wehr von Lisdorf Mitglied des Feuerwehrverbandes der Rheinprovinz. Der Feuerwehr gehörten neben den traditionellen Handwerkerberufen wie Maurer, Zimmerleute, Dachdecker und Steinmetzen auch Bergleute, Hüttenarbeiter und Landwirte an. Auf Kneip-Scholly folgte Philipp Morguet-Dörr im Amt des Wehrführers von Lisdorf.

 

Die Wehr um die Jahrhundertwende

1899 konnte die freiwillige Feuerwehr in der Kleinstraße in Lisdorf ein neues Gerätehaus beziehen und im gleichen Jahr wurden für Lisdorf und Holzmühle je eine Saug- und Druckspritze angeschafft. 1900 erhielt auch die Holzmühle ein neues Gerätehaus. Unter der Bezeichnung "30.6.08.IA.9685" wurde die Lisdorfer Wehr 1908 schließlich vom königlich-preußischen Regierungspräsidenten als freiwillige Feuerwehr offiziell anerkannt. Zu dieser Zeit verfügte die Wehr über folgende Ausrüstungs-, Rettungs- und Feuerlöschgegenstände: 2 fahrbare Saug- und Druckspritzen, 2 Schlauchkarren, 60 Feuereimer, 5 Strahlrohre, 500 m Druckschlauch aus Hanf, Schraubennormalgewinde, Verkupplungen, 5 Minimax-Apparate, 1 zweirädriger Handkarren, 4 Hakenleitern, 8 Anstelleitern, 1 Einsteigleiter, 1 fahrbare Balance-Leiter, 10 Feuerhaken, 5 Gürtel mit Rettungsleinen und ein Rauchapparat. Die Wehr hatte bei 3.031 Einwohnern eine Stärke von 45 Mann.

Spritzenhaus Kleinstraße
Spritzenhaus Kleinstraße
Spritzenhaus Holzmühle
Spritzenhaus Holzmühle
Urkunde
Urkunde

Die Satzung von 1913

Wie aus der Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Lisdorf von 1913 hervorgeht, gliederte sich der Löschzug in drei Abteilungen:

  1. eine Ordnungsabteilung zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf dem Brand- und Übungsplatze und deren Umgebung, zur Absperrung usw.,
  2. eine Steigerabteilung zur Bedienung der Leitern, Rettungs- und Schutzgeräte, des Gerätewagens usw.,
  3. eine Spritzenabteilung zur Bedienung der Spritzen, der Schlauchkarren, des Hydrantenwagens, der Hydranten usw.

Für jede Abteilung war ein "Abteilungsführer" erforderlich, der vom Wehrleiter - nach Anhörung des Vorstandes - mit Zustimmung des Bürgermeisters ernannt wurde. Der Wehrleiter selbst und sein Stellvertreter wurden auf Vorschlag des Vorstandes vom Bürgermeister ernannt und bedurften der Bestätigung des Königlichen Landrates. Ihre Amtszeit betrug sechs Jahre und verlängerte sich bei entsprechender Amtsführung und körperlicher und geistiger Fitness jedes Mal automatisch um die gleiche Zeit.

Historische Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis Löschbezirk Lisdorf
Historische Aufnahme Löschbezirk Lisdorf

Vom ersten Weltkrieg bis zum Kreisverbandsfest

Im ersten Weltkrieg bestand die Wehr zum großen Teil aus Veteranen, da die jungen Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden. 1920 wurde Bürgermeister Wilhelm John, der die Geschicke der freiwilligen Feuerwehr seit seinem Amtsantritt 1897 mit großem Einsatz förderte von der Besatzungsbehörde ausgewiesen, was sich kurzfristig nachteilig auf die Wehr auswirkte. Nachdem Philipp Morguet 1924 sein Amt niederlegte, wurde Georg Kupferschläger mit der Führung der Wehr beauftragt. Schon kurze Zeit später erlebte die Lisdorfer Feuerwehr wieder eine Blütezeit und die Gesamtstärke mit Spielmannszug und Feuerwehrkapelle betrug einschließlich Holzmühle 85 Mann.

"Ein wahres Volksfest"

Höhepunkt der "goldenen Zwanziger" für die heimische Wehr war 1929 der Kreisverbandstag in Lisdorf, an dem die Bevölkerung sowie die Wehren des Kreises regen Anteil nahmen. Das Fest wurde gleichzeitig als fünfzigster Jahrestag der Wiedergründung der Lisdorfer Wehr auf dem Festplatz im Rosenthal gefeiert. Die einheimische Presse bemerkte hierzu folgendes:

"Um 2 Uhr stellten sich auf dem großen Schulhofe 2.400 Wehrleute zum Festzuge auf nach dem Rosenthal, einen äußerst schön angelegten Festplatz. Das Feuerwehrverbandsfest, das hier abgehalten wurde, war ein wahres Volksfest und hat trotz der mancherlei Veranstaltungen der näheren Umgebung sehr großen Zuspruch durch alle Volksklassen."

Umzug Kreisverbandstag 1929
Kreisverbandstag 1929

Die Wehr bis zum Ende des 2. Weltkrieges (1929 - 1945)

Die politischen Veränderungen in den 30er Jahren wirkten sich auf die Lisdorfer Wehr aus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Reichsgebiet 1933 und der deutlichen Entscheidung der Bevölkerung des Saarlandes für eine Wiedereingliederung ins Deutsche Reich 1935 wurden die bislang selbständigen Gemeinden Lisdorf, Fraulautern, Picard und Beaumarais 1936 eingemeindet und Saarlouis in Saarlautern umbenannt.

"Gleichschaltung" der Wehrführung

 

Erster Amtswehrführer für den gesamten Stadtbezirk Saarlautern wurde Georg Kupferschläger, der schon die Lisdorfer Wehr seit 1924 angeführt hatte und seit August 1933 Mitglied der NSDAP war. Johann Kneip - ab April 1936 ebenfalls NSDAP-Mitglied - wurde mit der Führung der Lisdorfer Wehr, nunmehr "Löschzug Saarlautern 4", betraut. Damit war auch die Lisdorfer Wehr quasi "gleichgeschaltet", wie die Besetzung wichtiger politischer oder gesellschaftlicher Funktionen mit NSDAP-Parteimitgliedern genannt wurde. Festzuhalten bleibt, dass von den in der "Stammrolle der Freiwilligen Feuerwehr e.V. des Ortspolizeibezirks der Stadt Saarlautern" erwähnten 33 aktiven Mitgliedern des Löschzuges "Saarlautern 4" nur 6 % (2 von 33) NSDAP-Mitglieder waren. Da fast alle Unterlagen über die dreißiger Jahre bzw. die Tätigkeit der Wehr im zweiten Weltkrieg vernichtet sind, lassen sich die folgenden Jahre nur schwer rekonstruieren. Sicher ist zumindest, dass nach dem Tod von Johann Kneip im Jahre 1943, Georg Kupferschläger - wohl reaktiviert, da er seit 1. April 1939 in "Ruhe übergetreten" war - bis Kriegsende erneut die Führung der Lisdorfer Wehr übernahm. Aus einem von ihm unterzeichneten Bericht aus dem Jahr 1945 geht hervor, dass die Lisdorfer Wehr 1939 vor dem Beginn des 2. Weltkrieges über eine Stärke von 45 Mann verfügen konnte.

Die Wehr im 2. Weltkrieg

 

Wegen zahlreicher Einberufungen zum Kriegsdienst konnte die Wehr 1940 ihre Stärke nicht mehr halten, so dass Mannschaften durch die Polizeiverwaltung aufgrund des Luftschutzgesetzes zum Dienst in der Feuerwehr verpflichtet werden mussten. 1944 betrug die Stärke der Lisdorfer Wehr durch diese Maßnahme wieder 60 Mann. Die Tätigkeiten der Wehr in den Kriegsjahren umfassten außer den normalen Brandeinsätzen in den bewohnten Gebieten, auch Bergungseinsätze zur Unterstützung des Militärs in den evakuierten Zonen, wie das Auspumpen von Artilleriestellungen, Gefechtsbunkern, Laufgräben, Stollen und Unterkünften innerhalb der Bunkerlinie. Als Hilfsmittel standen den Feuerwehrmänner dafür eine tragbare Motorpumpe, zwei Kleinmotorspritzen, die 1935 (Leistung 400 l/min.) bzw. 1943 (Leistung 800 l/min.) angeschafft worden waren sowie über 4.000 Meter B- und C-Schläuche zur Verfügung.

Mannschaft Lisdorf auf Fahrzeug

Die Wehr ist nicht mehr einsatzfähig

 

Nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur im Mai 1945 wurde die freiwillige Feuerwehr Lisdorf neu aufgestellt. Ihre Stärke war auf 15 Mann zusammengeschrumpft. Das Gerätehaus war durch einen Artillerietreffer beschädigt worden und die verbliebene Handdruckspritze durch Granatsplitterschäden nicht mehr einsatzfähig. Da die beiden Motorspritzen und rund 1.000 Meter Schlauch sowie sonstiges Material am 29. November 1944 dem Bürgermeister von Gresaubach übergeben worden waren, verfügte die Lisdorfer Wehr nur mehr über eine mechanische Schiebeleiter und einen Gerätewagen mit Ausziehleiter. Sie war damit ebenso wenig einsatzfähig wie die Wehren von Roden, Fraulautern, Picard oder Beaumarais, oder wie Georg Kupferschläger es formulierte: "Im Falle eines Brandes könnten 15 Mann - wenn Geräte da wären - eingreifen."

Der Aufbau einer modernen Wehr nach dem 2. Weltkrieg (1946 - 1986)

Die Nachkriegsjahre waren auch in Lisdorf gekennzeichnet durch wirtschaftliche Not und Armut. So musste noch im Jahr 1947 der Vorschlag einen Familienabend der Feuerwehr zu veranstalten "wegen den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen" fallengelassen werden.

Wiederaufbau unter Jakob Seidel

Unter Jakob Seidel, der 1946 die Führung der Lisdorfer Feuerwehr übernommen hatte, ging die Entwicklung dann aber erstaunlich schnell wieder aufwärts. Auf Veranlassung der Stadtverwaltung wurden 1947 die zwei Motorkraftspritzen aus dem Evakuierungsgebiet zurückgebracht. Außerdem kehrten etwa zur gleichen Zeit mehrere Wehrmänner aus der Kriegsgefangenschaft zurück, so dass die Wehr wieder über eine Stärke von einem Brandmeister, drei Löschmeistern und 26 Mann verfügen konnte. 1951 wurde das Gerätehaus in der Großstraße bezogen und die Stärke der Wehr betrug wieder 37 Mann. Den personellen Höchststand in den 50iger Jahren erreichte die Lisdorfer Wehr 1953 und 1954 mit je 40 aktiven Feuerwehrmännern und je 10 Mann in der Altersabteilung. Wie aus einer Liste über den Mannschaftsstand der Freiwilligen Feuerwehr Lisdorf aus dem Jahr 1955 hervorgeht, waren 13 der damals 38 Aktiven (ca. 34 %) von Beruf Bergmann. Die traditionell bis weit ins 19. Jahrhundert hinein das Feuerlöschwesen dominierenden Handwerksberufe stellten zusammen nur knapp ein Viertel (9 von 38 = ca. 24 %) der aktiven Wehrmänner. Landarbeiter und Fabrikarbeiter waren mit je fünf Aktiven (ca. 13 %) in der Mannschaftsdienstliste vertreten.

Jakob Seidel und Gerätehaus Großstraße
Jakob Seidel und Gerätehaus Großstraße

Nachwuchsförderung und Patenschaften

Nachdem 1966 zur Nachwuchsförderung eine Jugendwehr gegründet wurde übernahm im Oktober 1967 Johannes Kaspar Linsler die Führung der Wehr. Am 22. Juni 1968 fand unter reger Beteiligung der Jugendfeuerwehren der Innenstadt und der Stadtteile erstmals ein Jugendfeuerwehrtag in Lisdorf statt. Unter Linslers Leitung wurden die Patenschaften mit den freiwilligen Feuerwehren aus Lüsen in Südtirol (1971), Reinstorf in Niedersachsen (1975) und Sulzbachtal in Rheinland-Pfalz (1986) gegründet. Der Gegenbesuch in Lüsen 1972 wurde für viele Lisdorfer Wehrleute Dank der herzlichen Gastfreundschaft der Südtiroler Wehrleute und der eindrucksvollen Bergwelt der Dolomiten zu einem unvergeßlichen Erlebnis.

Der große Brand in Saarlouis von 1982

In Linslers Amtszeit fällt auch die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges, ein TLF 16/25, für die Lisdorfer Wehr im Jahr 1979. Drei Jahre später im April 1982 erlebte die Lisdorfer Wehr bei einem Großbrand in der Saarlouiser Innenstadt - das Schuhhaus Gerling am Großen Markt brannte völlig aus - einen der größten Einsätze ihrer Geschichte. Zusammen mit über 200 Feuerwehrleuten aus Saarlouis und dem benachbarten Dillingen kämpfte man mehrere Stunden gegen die immer wieder auflodernden Flammen ehe der Brand gelöscht war.

Am 3. Mai 1986 trat Oberbrandmeister Linsler wegen Erreichens der Altersgrenze hochdekoriert mit dem Belgischen Feuerwehrehrenkreuz und dem Südtiroler Feuerwehrehrenkreuz, dem Saarländischen Feuerwehrehrenkreuz in Gold und Silber sowie dem Deutschen Feuerwehrehrenkreuz in Gold und Silber von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger als Löschbezirksführer der Lisdorfer Feuerwehr wurde am 6. März 1986 Oberlöschmeister Hans Joachim Loris mit großer Mehrheit gewählt.

Hans Linsler, Hans-Joachim Loris
Hans Linsler, Hans-Joachim Loris

Die Freiwillige Feuerwehr Saarlouis Lbz. Lisdorf heute (1986 - heute)

Unter dem Kommando von Löschbezirksführer Hans Joachim Loris entwickelte sich die Freiwillige Feuerwehr Lisdorf seit 1986 überaus positiv. Hans Joachim Loris wurde 1988 zum Oberbrandmeister. Ebenfalls wurde er im gleichen Jahr zum stellvertretenden Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Kreisstadt Saarlouis gewählt. Am 9. Dezember 1999 musste Hans Joachim Loris wegen erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheiden. Nachfolger von Hans Joachim Loris wurde Brandmeister Andreas Kelich, der am 15. August 1999 mit überwältigender Mehrheit zum Löschbezirksführer gewählt wurde.

Dank der guten Nachwuchsarbeit zählt die Wehr heute 42 aktive Mitglieder. Hinzu kommen die Jugendwehr mit 9 Mitgliedern und die Altersabteilung mit 13 Mann (über 60 Jahre). Durch die vorausschauende personelle Planung und die große Motivation innerhalb der Wehr, die der gute Besuch der Übungen und Lehrgänge unterstreicht, verfügt Löschbezirksführer Andreas Kelich heute über eine quantitativ und qualitativ hohen Anforderungen genügende Löschmannschaft.

In der letzten Zeit wurde das Gerätehaus in Lisdorf erweitert und modernisiert. So wurde ein Anbau geschaffen, der einen Jugendraum für die Jugendfeuerwehr beherbergt sowie ein Büro enthält. Die Lisdorfer Wehrleute zeichneten sich durch einen hohen Eigenleistungsanteil besonders aus. So wurden auch die sanitären Anlagen unter hohem Eigenleistungsanteil erneuert.

Da die Unterstellmöglichkeiten für das Mehrzwegboot und Rettungsboot nicht mehr ausreichten, wurde eine neue Garage im Garten der Kirchengemeinde Lisdorf, gegenüber der Feuerwache errichtet.

Diese Garage für die Fahrzeuge der Wasserrettung wurde bis auf die Bodenplatte, komplett in Eigenleistung erstellt.

Historische Uniformen und Standarte

Unter der Überschrift "Historie war Spitze im 'wehrhaften' Zug" sorgte die Lisdorfer Feuerwehr anlässlich der Festlichkeiten zur 175-Jahrfeier der Saarlouiser Feuerwehr im Jahr 1986 für positive Schlagzeilen in der regionalen Presse. In historischen Uniformen und mit in Eigenarbeit liebevoll restaurierten Schlauchwagen und Pumpenfahrzeugen aus der Zeit um die Jahrhundertwende sorgten die Lisdorfer Feuerwehrmänner für einen der Höhepunkte des festlichen Umzuges. Seit 1989 besitzt die Lisdorfer Feuerwehr auch eine neue Standarte. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurde dieses Symbol der Kameradschaft und der Zusammengehörigkeit im Beisein von Abordnungen der Patenschaftswehren aus Lüsen, Reinstorf und Sulzbachtal von Dechant Anton Heidger gesegnet. Die Standarte zeigt auf der so genannten "Heimatseite" das Wappen der Stadt Saarlouis mit dem Schriftzug "Freiwillige Feuerwehr der Stadt Saarlouis, Löschbezirk Lisdorf" sowie die Jahreszahlen 1821 für das Gründungsjahr des Löschbezirks und 1989 für das Beschaffungsjahr der Standarte. Auf der anderen Seite der größtenteils in Handarbeit von einer niederbayerischen Fahnenstickerei angefertigten Standarte sind der Schutzpatron der Feuerwehr, der heilige Florian, das Feuerwehrgerätehaus Lisdorf und der Wahlspruch der Feuerwehr "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" zu sehen.


Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt. Mögen wir immer sicher und erfolgreich von unseren Einsätzen heimkehren.

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